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Per Pedal zur Poesie 3

Strecke:

Konstanz - Kreuzlingen - Gottlieben - Ermatingen - Fruthwilen - Salenstein - Mannenbach - Berlingen - Steckborn - Mammern -
Eschenz - Stein am Rhein

Toureninformation

Höhenmeter bergab 280 m Höhenmeter bergauf 290 m
Dauer 2.5 h Länge der Tour 34 km
Schwierigkeit Typ Genussradelntour

Beschreibung

PER PEDAL ZUR POESIE 3

Beginnend in Konstanz, der heimlichen Hauptstadt des Bodensees, und sogleich die deutsche Grenze überschreitend, führt der Radweg amschweizerischen Ufer des Untersees entlang, mit Blick auf die Klosterinsel Reichenau und den Hegau, vorbei an der ehemaligen Künstlerkolonie Gottlieben zum Schloss Arenenberg.

Die Route endet im mittelalterlich-pittoresken Stein am Rhein und zeigt den Untersee als eine Landschaft des Transits, des Durchgangs.

KONSTANZ km 0
Zweimal überschritt JOHANN WOLFGANG GOETHE (1749 –1832) die Grenze zwischen demdamals noch österreichischen Konstanz und dem schweizerischen Kreuzlingen. Beide Male übernachtete er im GASTHOF ADLER, den auch schon die aus Parisvertriebene HORTENSE DE BE AUHARNAIS, die Stieftochter Napoleons I., aufsuchte. Sie klagte über fehlenden Komfort: Es gab weder ein Klavier noch französischeZeitungen, und die Öfen verursachten Kopfschmerzen. Mit ihrer Ankunft aber begann das kulturelle Leben in der Stadt aufzublühen. Lesegesellschaften wurden gegründet, so das BÜRGERMUSEUM sowie das BÜRGERCASINO.

GOTTLIEBEN km 5,4

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten die schwäbischen Romantiker das Seeufer. GUSTAV SCHWAB (1792–1850) schrieb hier 1827 eine Ballade über eine Gottlieber Sturmnacht im Jahr 1692, in der nach der Überlieferung drei Häuser zerstört wurden: In ›Des Fischers Haus‹ glaubt der Mensch, »der Herrscher im See« zu sein. Doch die Natur bestraft seine Hybris, die Fischeuntergraben das Ufer und »das Haus, das gewaltige, kracht und versinkt in der Wogen Gewühle«.

ERMATINGEN km 12,1

Im GASTHOF ADLER und im oberhalb von Ermatingen gelegenen SCHLOSS WOLFSBERG stiegen jene Gäste ab, die der Stieftochter Napoleons I. im nahegelegenen Schloss Arenenberg ihre Aufwartung machen wollten. LORD BYRON(1788 –1824) allerdings hielt sich nicht an die Etikette, zunächst in Konstanz auf eine Einladung zu warten, und musste so mehrere Wochen hier ausharren. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges war der Ort zum bedeutendsten Kurort am Untersee geworden. Ein deutscher Emigrant, der Nobelpreisträger THOMAS MANN (1875 –1955), kam zweimal mit dem Auto aus Küsnacht bei Zürich in den ›Adler‹,um aus dem Manuskript seines großen Romans ›Joseph und seine Brüder‹ vorzulesen:»in einem Stuhl sitzend«, so Mann, »den Richard Wagner zur Zeit des 1. Tristan-Aktesviel benutzt hatte.«

FRUTHWILEN (SCHLOSS HUB) km14,2

»Ich warf nur einen Blick aus einem der noch teils mit Butzenscheiben versehenen Fenster und mietete gleich auf 10 Jahre. Denn solch unverbaute Augenweide gab es kaum zum zweiten Mal.« Der von der Landschaftderart Begeisterte war HANS LEIP (1893–1983), Autor von ›Lili Marleen‹. Leip, der zunächst auf der Höri gewohnt hatte, wo er später auch begraben wurde (Literarischer Radweg 04), verfasste hier eine Geschichte der Freibeuterei (›Bordbuch des Satans‹) und die Roman-Biografie über Albert Ballin, den jüdischen Generaldirektor der HAPAG (›Des Kaisers Reeder‹).

SALENSTEIN km 15,9

Den Hof (ARENENBERGSTR. 17) in Sichtweite des Arenenberger Schlosses musste der hier geborene Schweizer Schriftsteller PAUL ILG (1875–1957) nach dem Tod der Großeltern verlassen: Der 9-Jährige kam als Verdingbubins Appenzell. In seinem Roman ›Das Menschlein Matthias‹ (1913), Teil einer auch in Deutschland erfolgreichen Tetralogie, hat Ilg seine Kindheit am Untersee verarbeitet. Dass der 1914 aus Berlin Zurückgekehrte mitten im Ersten Weltkrieg in ›Der starke Mann‹ einen Schweizer Offizier mit autoritärpreußischen Zügen versah, nahm man ihm beiderseits der Grenze übel. Ernst Lubitschkonnte Ilgs ersten großen Erfolg 1925 nicht verfilmen, da ein pazifistischer Filmnach Ansicht der UFA nicht vermarktbar war.

SCHLOSS ARENENBERG km 16,1

»Wenn schon Exil«, schrieb der auf der anderen Seite des Bodensees, in Salem, erzogene und 1933 emigrierte GOLO MANN (1909 –1994), Schriftsteller und Sohn Thomas Manns, »dann würde ich mir Arenenberg als Exilgefallen lassen«. Nach ihrer Flucht aus Paris erwarb Hortense de Beauharnais 1817 dieses Schloss, pflegte hier die Erinnerung an den Stiefvater Napoleon I. und empfing neben Lord Byron u. a. die Dichter FRANÇOIS RENÉ DE CHATEAUBRIAND (1768–1848) und ALEXANDRE DUMAS (1802–1870) zu ihren literarischen Salons nachPariser Art, die später die bürgerlichen Salons der Region prägen sollten.

BERLINGEN km 20,1

ADOLF DIETRICH (1877–1957) hat den Untersee nur ungern verlassen. Schon die Eisenbahnfahrt zu seinem Bruder nach Ludwigshafen war ihmein Gräuel. Dabei reisten seine Bilder schließlich bis nach New York und machten ihn neben Dix zum bekanntesten Maler der Region. Dass er auch Gedichte schrieb, ist wenig bekannt. BEAT BRECHBÜHL (*1939), den als Jugendlicher ein Nachruf auf Dietrich nachhaltig beeindruckt hatte, brach Ende der 1990er Jahre zu einer fiktiven ›Fußreise mit Adolf Dietrich‹ über den Thurgauer Seerücken auf, die er 1999 als einfühlsame Hommage an den Maler und Poeten veröffentlichte.

SCHLOSS GLARISEGG km 24,9

Für FRIEDRICH GLAUSER (1896 –1938), der mit seinen ›Wachtmeister Studer‹-Romanen nicht nur Krimiliebhaber beeindruckt hat, endete der Aufenthalt in dem 1902 im Schloss gegründeten reformpädagogischen Landerziehungsheim im Desaster: Er musste die Schule nach Drogenkonsum und Selbstmordversuch 1913 verlassen. Einer der ersten Schüler von Glarisegg, HANSGANZ (1890 –1957), veröffentlichte zwei Jahre später den Roman ›Peter das Kind‹ über einen jungen Selbstmörder, dem der Fall Glauser zum Vorbild gedient habenkönnte.

STEIN AM RHEIN km 33,6

CAROLINE VON BEULWITZ (1763 –1847), in die sich FriedrichSchiller verliebte, bevor sie seine Schwägerin wurde, schien der GASTHOFSCHWANEN (CHARREGASS 5) abgelegen genug zu sein, um hier 1794 ihr uneheliches Kind zur Welt zu bringen. Schiller hat sich am Unterhalt des Jungen, der freilich nicht vom ihm stammte, beteiligt, indem er die Erträge aus Carolines Roman ›Agnes von Lilien‹ über einen Mittelsmann an die Pflegeeltern nach Steinam Rhein schicken ließ. Als Hans Leip 150 Jahre später nach dem wöchentlichen Essen im ›Schwanen‹ auf der Steiner Brücke stand und ins Wasser schauend über den Golfstrom und die Kultur des Abendlandes philosophierte, war der pittoreske Ortlängst eine Touristenattraktion geworden.

SCHIFFSREISE ZUM RHEINFALL(ab Schiffslände km 34,2)

»That was beautiful« schrieb begeistert der englische Skandalautor von ›Lady Chatterleys Liebhaber‹ D. H. LAWRENCE (1885–1930) mitten im Ersten Weltkrieg in sein Reisetagebuch. »Der Nebel hing immer noch über dem Wasser und den weiten flachen Ufern des Stromes und die Sonne, die durch den Morgen brach, setzte hübsche, gelbe Lichter in den bläulichen Dunst, so dass es aussah wie am Anfang der Welt. Oben in der Luft kämpfte ein Habicht mit zwei Krähen oder Raben. Dieses Gefecht am Himmel wirkte wie ein seltsames Gleichnis; die Deutschen an Deck beobachteten es mit Vergnügen […]. Wir passierten wunderliche, alte romantische Dörfer, die ihre roten farbigen Dächer am Wasserspitzten, sehr still, abgeschlossen, in der Vergangenheit verloren.«

Für weitere Informationen zur Tour und zu den einzelnenAutoren, schicken wir Ihnen gerne unsere Prospekte zu.

Viel Spaß beim Nachfahren und erforschen.

Karte

Anschrift

Tourismus-Untersee e.V.
Im Kohlgarten 2
78343 Gaienhofen
Telefon + 49(0)7735/9190 55
Fax + 49(0)7735/9190 56
info@tourismus-untersee.eu

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